Erschienen auf gastrozentrale.de am 12.10.2016

EIN ESSENSLIEFERDIENST – GOLDGRUBE ODER RUIN?

Das Geschäft mit den Lieferdiensten boomt in Deutschland – immer mehr Menschen lassen sich Pizza, Sushi und Co. nach Hause bringen. Doch die Konkurrenz ist groß und der geschäftliche Erfolg hängt stark von einigen wichtigen Faktoren ab.

Fast die Hälfte der Deutschen bestellt in unterschiedlichen Abständen bei einem Lieferservice Essen. 10,66 Millionen Menschen in Deutschland nutzten laut Statista-Umfrage 2015 mindestens einmal im Monat einen Lieferdienst für fertige Mahlzeiten. Und immerhin 9,14 Millionen gaben an, sich sogar mehrmals im Monat warmes Essen nach Hause liefern zu lassen. Zu den beliebtesten Gastronomiebetrieben gehören dabei Pizza-Lieferdienste. Auf den weiteren Plätzen folgen Burger- und Sushi-Bringdienste. Dabei kommen auf eine durchschnittliche Bestellung Einnahmen zwischen 16 und 20 Euro. Wer sein Geschäft geschickt angeht, kann als Gastronom mit dem Liefergeschäft locker auf einen Jahresumsatz von über 750.000 Euro kommen – Tendenz nach oben offen. Trotzdem gehört das Gewerbe in den jährlichen Insolvenzstudien des Statistischen Bundesamtes regelmäßig zu denen mit der höchsten Konkursquote. Denn wer als Essenslieferdienst am Markt bestehen möchte, sollte zumindest einen Jahresumsatz von rund 250.000 Euro erwirtschaften. Gar nicht so leicht, wenn man sich, insbesondere in größeren Städten, mit der knallharten Konkurrenz auseinandersetzen muss. Hinzu kommt der Spagat zwischen beinharter Kostenkalkulation und Qualität. Und kein Lieferdienst kommt mehr ohne eine Listung auf einem Online-Portal wie Pizza.de, Lieferando oder Lieferheld aus – die allerdings durch Umsatzprovisionen und Premiumleistungen einen nicht geringen Teil des Kuchens abhaben wollen.

DIE WIRTSCHAFTLICHEN GRUNDLAGEN SIND WESENTLICH

Um am Markt zu bestehen, sollten neben den wesentlichen wirtschaftlichen Grundlagen – wie der Planung und Einhaltung der Kostenstruktur – vor allem die Außenpräsentation und Kundengewinnung im Fokus stehen. Für den durchschnittlichen Lieferservice-Gastronomen bewegt sich der Wareneinsatz-Aufwand in der Regel zwischen 28 und 30 Prozent, sodass man beispielsweise bei einer Pizza auf etwa einen Euro Kosten kommt. Diesen Euro muss man in der Regel grob mal vier nehmen, um Miet-, Betriebs- und Personalkosten abzudecken. Eine Pizza muss somit in den meisten Fällen mindestens mit vier Euro angeboten werden. Im Gegensatz zum Restaurant oder Imbiss ist der Standort nicht unbedingt für den wirtschaftlichen Erfolg wesentlich. Jedoch fallen die Auswahl des Liefergebietes, Marketing und Online-Geschäft deutlich stärker ins Gewicht. Schätzungen zufolge bestellen bereits über 60 % der Kunden ihr Essen über das Internet. 80 % der Besteller informieren sich dabei vorher online über das kulinarische Angebot. Doch auch die klassische Postwurfsendung hat noch nicht ausgedient und gehört ebenfalls zu den Marketingkosten, die mit mindestens 10 – 30 % des Betriebskostenaufwandes kalkuliert werden sollten.

BESTELLER GEWINNEN UND DEN KUNDENSTAMM AUSBAUEN

Um das Marketing unter einen Hut zu bekommen und um Neukunden zu gewinnen, greifen viele Gastronomen deshalb auf externe Dienstleister wie Pizza.de, Lieferando und Co. zurück. Das hat Vor- und Nachteile. Wer wenig Erfahrung mit Kundenakquise und Werbung hat, für den ist es eine gute Möglichkeit, um Besteller auf den Lieferdienst aufmerksam zu machen. Jedoch verlangen die Portale eine Umsatzprovision in Höhe von 10 – 25 %, was oftmals ein Loch in die eigene Kasse reißt. Denn bei einer durchschnittlichen Bestellung in Höhe von 20 Euro, zahlt ein Gastronom mindestens zwei Euro an die externen Dienstleister. Eine effektive und kostengünstige Möglichkeit ist, zusätzlich auf eine Shoplösung wie ORDERU – das Shopsystem zurückzugreifen. Dabei erhält man eine individuell gestaltete und für Suchmaschinen optimierte Webseite sowie ein professionalisiertes Bestellsystem. Vor allem aber sparen sich die Lieferdienstbetreiber die Umsatzprovision bei Onlinebestellungen. Zudem behalten sie die Kundendaten und damit das Kundengeschäft in den eigenen Händen. Denn die harte Realität ist, dass es vielen Kunden ziemlich egal ist, wer ihnen ihr asiatisches Essen oder das Croque liefert – solange Qualität, Preis und Service in Ordnung sind. Auf den Online-Portalen ist man jedoch nur ein Anbieter unter vielen. Und wenn ein Kunde einmal geordert hat, heißt das nicht, dass er das nächste Mal wieder bestellt, sondern sich vielleicht für einen höher platzierten Essensanbieter auf den Food-Delivery-Portalen entscheidet. Deshalb ist es wichtig, einen festen Kundenstamm aufzubauen, der einen Umsatz garantiert, mit dem eine vernünftige Kostenplanung möglich ist.

EIN ESSENSLIEFERDIENST – DURCHAUS EIN ERFOLGSMODELL

In erster Linie – wie bei allen Restaurants und Gastronomiebetrieben – ist natürlich die Essensqualität und guter Service wichtig. Wer jedoch als Lieferservice erfolgreich am Markt agieren möchte, muss nicht nur gut den Kochlöffel schwingen können. Man muss die Kosten im Auge behalten, das Online-Geschäft geschickt nutzen, die Kunden auf sich aufmerksam machen und diese an sich binden. Wer so am Markt agiert, für den rechnet sich nicht nur ein Lieferservice, sondern der kann auch weitere Geschäftsbereiche erschließen. Franchise ist hier ein Stichwort – das nicht nur einen Pizzaservice umfassen muss, sondern auch auf Sushi, Burger oder sogar Dönerfilialen erweitert werden kann. Wichtig ist nur, dass man sich seine wirtschaftliche Unabhängigkeit bewahrt und das Geschäft nicht von externen Dienstleistern abhängig macht. Und mit der richtigen wirtschaftlichen Basis bekommt man den finanziellen Erfolg quasi selbst geliefert.


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Klaas Bartels
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